| Auf der Staubstraße |
Unsere „Staubstraße“, die wir so tauften, weil jedes vorüber fahrende Auto die Fußgänger und Eselskarren für einige Zeit in eine dichte Wolke hüllt, ist die Fortsetzung des rötlichen Lehmweges, der an unserem großen Schultor vorbeiführt,
sich durch einige Kilometer freie Landschaft windet, den Mbagathi River überquert, in dem während der fünf Wochen unseres Aufenthaltes der Körper eines verendeten Hundes trieb,und schließlich in einer Ansammlung von Verkaufsständen und Hütten mündet. Ganz Afrika scheint immer wandernd unterwegs zu sein. Rötliche Trampelpfade im grünen Randstreifen säumen wie zierliche Muster den Weg. Kleinere Kinder verstecken sich angstvoll hinter ihren Müttern, beim ungewohnten Anblick von Weißen zu Fuß. Die wenigen Weißen in der Umgebung hier, wohnen verschanzt hinter hohen Mauern in Villen, die von Security-Firmen überwacht werden, fliegen ihre Kinder morgens mit Hubschraubern in teure Schulen nach Nairobi und lassen sich auf der „Staubstraße“ nur in eilig vorbei brausenden Autos sehen.
Viele Erwachsene grüßen uns freundlich mit Jambo oder Salaam. Als wir am erste Abend, schon im Dämmerlicht, diese Straße entlang gingen, die wackeligen Holzstände mit Gemüse und Obst zu beiden Seiten betrachtend, die vielen Menschen, die sich im Rauchblau des Abendlichtes verloren und wir uns als Eindringlinge in eine fremdartige Welt fühlten, erschien uns diese Straße höchst unheimlich und gefährlich. Inzwischen ist uns ihr Anblick lieb und vertraut geworden. Man kann für „Pfennigbeträge“ Bündel von Bananen, Arme voll Gemüse und „Mandasis“ (in schwimmendem Fett gebackene Krapfen) kaufen. Wir haben schon unsere Lieblingshändler und werden als Stammkunden erkannt und begrüßt, wir erfahren nach und nach, welche Kinder unserer Schule in welchen Seitengässchen wohnen, wessen Onkel hier einen Laden besitzt; und dass James, der Busfahrer jeden Morgen von hier zu Fuß zur Schule läuft. Obwohl die meisten der Behausungen hinter den Verkaufsständen keinen Strom- oder Wasseranschluss haben, sehen die Menschen adrett und sauber gekleidet aus. Männer entsteigen diesen Hütten mit Bügelfalten in den Hosen und schneeweißen Hemden; die Frauen drapieren sich farbenfrohe Tücher elegant um ihren Leib und schreiten, Lasten auf dem Kopf tragend, graziös wie Prinzessinnen. Im größeren Einkaufszentrum "Karen" sah ich fabrikneue Bügeleisen, die man mittels glühender Holzkohle beheizt. In einem Matatubus (private Kleinbusse) auf engstem Raum mit den Menschen zusammengedrängt, konnte ich die komplizierten und phantasievollen Frisuren meiner Vordersitzerinnen bewundern. Diese Menschen hier verkörpern für mich, trotz der Armut in der sie leben, Schönheit und Anmut. |
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