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Ein Wiedersehen mit dem Patenkind – Waldorfschulgemeinschaft Schwäbisch Gmünd besucht die Partnerschule in Kenia. Noch einmal springen wir über eine Pfütze mit Abwasser. Dann macht der Weg eine Biegung und wir sind da. Angekommen bei der Familie von Brain – unserem Patenkind in Kenia. Ein Besuch in einer anderen Welt.
Rongai. Kinder spielen neben einem baufälligen Mehrfamilienhaus Fußball. Sie unterbrechen ihr Spiel, als sie uns sehen. Musungo – das ist etwas Besonderes, vor allem hier. Musungo bedeutet Weißer und gemeint sind wir, Lucia und ich. Amos, ein Freund von uns und Lehrer an der Mgahti Steiner School in Rongai, hat uns durch die vielen verdreckten Gässchen und Staubstraßen geführt.
Brain kommt die Straße hinunter und begrüßt uns. Er ist in der vierten Klasse und ein begeisterter Fußballspieler. Jetzt übernimmt er die Führung: Am Ende des Weges biegen wir durch ein kleines Loch in einem hohen Holzzaun ab. Hoffnung macht sich in mir breit, denn das Grundstück, das wir betreten, hat ein Maisfeld. Die Hütte, auf die wir zusteuern, sieht jedoch erbärmlich aus. Die Behausung von Brains Familie besteht aus Wellblechteilen, die im Inneren mit Holzstangen befestigt sind. Das Wellblechdach hat Löcher. Nah bei der Hütte steht ein Plumpsklo, der Brunnen auf dem Grundstück ist ausgetrocknet. Mama Brain bittet uns herein, bedankt sich für die Gastgeschenke. Amos spricht mit der Mutter über die Situation der Familie und übersetzt, da die Frau nur Kisuaheli spricht. Was sie erzählt, erschüttert uns: Die Familie konnte die Miete nicht bezahlen und wurde deswegen aus ihrer eigentlichen Wohnung geworfen. Die Hütte gehört einem Freund, der als Aufseher über das Feld wacht und es bestellt. Brains Mutter arbeitet als Haushaltshilfe, ihre beiden ältesten Söhne sind arbeitslos. Der eine kümmere sich um die Großmutter, der andere sei mit einem Freund zusammengezogen.
Wir fragen Brain nach seinen Träumen und Hoffnungen für die Zukunft. Zögernd antwortet er, dass er die weiterführende Schule besuchen und später studieren will. Medizin soll es sein. Ärzte verdienen in Kenia gut, denn Krankenkassen können sich nur Reiche leisten und jeder andere muss seine Behandlung bar bezahlen. Das kenianische Gesundheitssystem ist hart: Wer kein Geld hat, stirbt. Brain erzählt, dass er als Wasserträger arbeitet, um die Familie zu unterstützen, jedoch bekomme man nicht viele Aufträge in der Woche. Der Vater tritt in die Hütte und begrüßt uns. Er ist sehr viel gesprächiger als die anderen. Die Arbeit werde weniger, weil niemand mehr baut, die Steuern und die Miete stiegen. Er schaut zu Boden und beginnt dann, von besseren Zeiten zu erzählen. Damals hatte die Familie noch einen Garten, baute selbst Gemüse an. Dann will der Vater wissen, ob man Brain eine bessere Schulbildung ermöglichen kann und am Ende sieht er mir in die Augen und fragt: „Kannst du uns die Miete bezahlen?“
Das mache ich eine Woche später sogar, muss dem Vater aber deutlich machen, dass ich auf Dauer finanziell nicht die Verantwortung für eine Familie übernehmen kann. Aber ich will versuchen, Paten zu finden, die Brain und seinem Bruder einen Platz im Internat (Boarding school) in der Schule verschaffen können. Das kostet pro Kind zehn Euro im Monat und würde die Familie finanziell entlasten.
Auch das gibt mir zu denken: Bei meinem ersten Besuch hatte Brain ein T-Shirt an. „How to clean your room“, stand darauf und drei kleine Bilder erklärten den Ablauf. Erst sollte man sich einen Überblick über alle Sachen im Zimmer verschaffen, dann alles auf einen Haufen schmeißen und schließlich unter sein Bett schieben. – Brain hat kein Zimmer! Brain hat auch kaum Sachen! Brain hat kein Bett, sondern nur eine alte Matratze ...
Pate sein für ein Kind an der Steiner Schule in Nairobi kostet 31 Euro im Monat. Die Patenschaft ist für den Zeitraum des Schulbesuchs gedacht (bis Ende der zehnten Klasse). Eine Patenschaft kann bei Bedarf jederzeit ohne Kündigungsfrist beendet werden. Damit ein Ausgleich geschaffen werden kann, ist eine rechtzeitige Information erbeten.
Jeder Pate erhält einmal im Jahr einen persönlichen Brief des Patenkindes, mit Foto und gegebenenfalls Zeugnis. Der Brief ist auf Englisch. Bei jüngeren Kindern wird der Brief vom Lehrer verfasst. Einmal pro Jahr gibt es einen Schulbericht, so dass ein Pate die Entwicklung der Schule innerhalb eines Schuljahres mitverfolgen kann.
Mehr Infos unter finden Sie hier: www.entwicklungshilfe3.de/projekte/weltweit/kenia/mbagathi
Ein Artikel von SEBASTIAN WALTHER. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der GMÜNDER TAGESPOST. Hier können Sie den Artikel als pdf-Datei herunterladen.
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