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Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können: Eine durchdringende Stille durchzieht das Münster in Schwäbisch Gmünd. Es scheint so, als hätten sich die etwa 700 Besucher schweigend geeinigt, gemeinsam die Luft anzuhalten. Chorleiter Walter Johanns Beck senkt wie im Zeitraffer die Hand – es ist geschafft: der Kammerchor der Freien Waldorfschule Schwäbisch Gmünd hat die h-Moll-Messe erfolgreich bestritten.
Es war ein großer Aufwand für ein großes Projekt von einem großen Komponisten. Manch einer hatte den Chorleiter Walter Johannes Beck und seinen Kammerchor der Freien Waldorfschule Schwäbisch Gmünd belächelt, ob dieses aufwendigen und schwierigen Vorhabens ein Werk umzusetzen, das als ,,größtes musikalische Kunstwerk aller Zeiten und Völker“ bezeichnet wird. Beck ist jedoch dafür bekannt, dass er vor umfangreichen Projekten nicht zurückschreckt und diese erfolgreich mit seinen Chören bestreitet. So schreckte er auch nicht davor zurück Bachs Lebenswerk, die h-Moll-Messe mit dem jungen Kammerchor der Waldorfschule einzustudieren. Hilfe bekam der Chor von erfahrenen Mitgliedern des Ensembles collegium vocale. Für die orchestrale Untermalung sorgte das ensemble variable.
Am 22. Januar war es dann endlich soweit, nach einer intensiven Zeit des Übens stand der Kammerchor im bis zum letzten Platz gefüllten Münster. Bevor die ersten Klänge ertönten, hieß Münster-Pfarrer Robert Kloker die Gäste herzlich willkommen „zu einem ganz großen Werk der christlichen Kirchenmusik“. „Das Münster ist der perfekte Ort für die Aufführung der h-Moll-Messe“, sagte Roland Sturm, Vorstand der Waldorfschule Schwäbisch Gmünd, und schloss mit den Worten: „Bach konnte sein größtes Werk leider nicht erleben, wir haben nun die Möglichkeit dazu.“
Die h-Moll-Messe ist in fünf Teile gegliedert: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei. Alle Abschnitte beinhalten Soloparts. Diese wurden ausgeführt von Dorothee Beck, Andrea Cox, Teresa Steding (alle Sopran), Rhea Elbing, Gertraud Holzmann, Susanne Lahres (alle Alt), Andreas Weller (Tenor) und Andreas Beinhauer (Bass). Vor allem mit dem Einsatz der beiden Schülerinnen Teresa Steding und Rhea Elbing bewies Beck, wie erfolgreich er seine Talente mit besonderen Herausforderungen zu motivieren weiß.
Es gehört viel Können dazu, den Facettenreichtum der h-Moll-Messe ansprechend umzusetzen. Dem Chor gelang es, die große stilistische Bandbreite gekonnt zu zelebrieren. Mal sanft und bedächtig, mal prunkvoll und pompös - die Interpretation ließ die musikalischen Farben aufleben. Fontänen aus Licht, die sich teilen und emporstreben gen Himmel und im Zentrum der Dirigent, der den Lichtern die Emotionen vorgibt und ihnen den Weg weist, so könnte man die gesangliche Darbietung am Beispiel des Sanctus in Bildern beschreiben. An diesem Abend belohnte sich der Chor selbst, er brachte den Stern, der hoch über den Köpfen der Sängerinnen und Sängern im Münster hing zum Leuchten. Neben einer beeindruckenden geschlossenen Leistung, konnten auch die Solisten überzeugen. Vor allem die bereits angesprochenen Schülerinnen machten ihre Sache trotz der teilweise sehr schwierigen Solo-Passagen sehr gut.
Den Abschluss des Meisterstückes bildete das „Dona Nobis Pacem“ (Gib uns Frieden) aus dem Agnus Dei. So beschloss der Chor seinen Kraftakt und wurde nach einem Moment der totalen Stille mit überschäumendem Applaus und stehenden Ovationen bedacht.
Im Anschluss an das Konzert versammelten sich die Akteure zu einer gemeinsamen Feierstunde in der Waldorfschule in Schwäbisch Gmünd. Roland Sturm gratulierte dem Chor zu seiner feinen Darbietung: „Das war eine große Leistung, Ihr habt der Schule einen großen Dienst erwiesen“. Und auch Chorleiter Walter Johannes Beck konnte seine Begeisterung kaum zurückhalten: „Das war ganz und gar unglaublich“, lobte er und bedankte sich nicht nur bei den Sängerinnen, Sängern und dem Orchester, sondern auch bei allen Helferinnen und Helfern, die die Veranstaltung im Hintergrund organisiert hatten. Nachdem einige Schüler sich am selben Abend dafür ausgesprochen hatte, Bachs Werk noch einmal aufzuführen, bestätigte Beck mit einem Augenzwinkern: „Das schreit wirklich nach einer Wiederholung“.
Benedikt Walther im Auftrag der Freien Waldorfschule Schwäbisch Gmünd
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Das schreiben die anderen: Presseartikel in der Gmünder Tagespost (Online-Ausgabe) und in der Remszeitung (Online-Ausgabe).
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