| Ein Jahr proben hat sich gelohnt |
Wer viel wagt, gewinnt auch viel“. Die Passage aus Papagenos Arie lag als Motto dem gesamten Projekt zu Grunde. Das Wagnis „Zauberflöte" wurde zum Erlebnis für Sänger und Instrumentalisten von der fünften bis zur zwölften Klasse, für Lehrer, Eltern und Zuhörer in der Freien Waldorfschule. Bei der Premiere wurden die Mitwirkenden und ihr musikalischer Leiter Walter Johannes Beck gefeiert wie Stars. Eigentlich sollten nur ein paar Lieder aus der populären Mozartoper mit der fünften Klasse aufgeführt werden, aber da hatte Klassenlehrerin Martina Wolman nicht mit dem experimentierfreudigen Musiklehrer Beck gerechnet. Er wollte die ganze Oper, Ton für Ton, und mit jugendlichen Solisten. Immerhin sang in der Uraufführung 1791 "auch eine 17-Jährige die „Königin der Nacht", wie am Mittwoch Olga Frey (B-Besetzung Martina Krieg). Sie hielt das Publikum in Atem mit den glanzvollen Koloraturen bis in die höchsten Töne. Ein Jahr lang waren die jungen Sängerinnen und Sänger, vor allem aber die Solisten über das Schulmaß hinaus gefordert, ja von der Zauberflöte geradezu besessen. Erstmals fand eine Kooperation mit Sängern des Scheffold-Gymnasiums statt. Im Orchester, das Beck mit der bekannten Feinfühligkeit und Konsequenz dirigierte, hatten sich Erwachsene und Schüler zu einem harmonischen, ausgefeilten Klangkörper zusammengefunden. Kostüme, betreut von Monika Bone, und Bühnenbild (Hellfried Rödelberger, der auch Regie führte) wurden im Unterricht vorbereitet. Was in der Premierenbesetzung etwa mit Jeremias Knapp (Sarastro), Luis Rieger (2. Priester) und vor allem Nicholas Kuschmann als Tamino zu hören war, klang viel versprechend. Papageno, Sebastian Walther (B-Besetzung Simon Schaub), spielte seine Rolle so herzerfrischend, leidenschaftlich und urkomisch, dass er das Publikum zu spontanen Lachern verlockte. Als Pamina schwang sich Rhea Elbing (B-Besetzung Teresa Steding) in die höchsten Tonregionen. Würde- und kraftvoll präsentierte sich der Priesterchor, spiel- und sangesfreudig die Fünftklässler als Slaven und wilde Tiere. Vor allem für die Jüngeren war es das fächer- und klassenübergreifende Erlebnis, das ihnen wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird. HANNA MEID Gmünder Tagespost |
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